Als letzter wichtiger Baustein des Basel III Regelwerkes wurden im Januar 2019 die Marktrisikoanforderungen an Eigenkapital vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) veröffentlicht. Die im ursprünglichen Regulierungsrahmen aus dem Jahr 2016 veröffentlichte Version wurde aufgrund breiter Kritik revidiert und die im nachfolgenden Konsultationspapier vorgeschlagene Änderungen wurden daraufhin im Jahr 2019 vom Baseler Ausschuss aufgenommen. Auf europäischer Ebene sind die Marktrisikostandards noch nicht in den CRR 2 eingeflossen, jedoch wird das Regelwerk durch die Level 2-Mandate der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) fortlaufend erweitert. Diese hat am 27. Juni 2019 eine Roadmap veröffentlicht, wonach im Bereich Marktrisiko durch 30 Mandate insgesamt 26 technische Regulierungsstandards, ein technischer Durchführungsstandard, zwei Leitlinien und ein Bericht erstellt werden müssen.

Ausgangspunkt für die EBA sind alle relevanten Änderungen in der Veröffentlichung BCBS 457, welche neue und klarere Kriterien für die Abgrenzung des Handelsbuchs, neue Definitionen, eine neue Fassung des Standardmodells, eine Überarbeitung des vereinfachten Standardansatzes sowie des Interne-Modelle-Ansatzes (IMA) umfasst.

Abgrenzung Handels- und Anlagebuch

Widersprüchlichkeiten in der Zuordnung von einzelnen Finanzinstrumenten zum Handelsbuch bzw. Anlagebuch, wurden durch eine neue Systematisierung aufgelöst. Wertpapier Underwritings gehören nur dann zum Handelsbuch, wenn die Bank das Wertpapier kauft. Sowohl Repos für die Liquiditätssteuerung (welche mit den Anschaffungskosten in der Bilanz bleiben) als auch Immobilienbestände und die dazugehörigen Derivate werden zum Anlagebuch gezählt. Fonds gehören nur dann zum Handelsbuch, wenn dessen Bestandteile durch eine unabhängige Instanz verifiziert wurden oder tägliche Preise vorhanden sind. Auch die Steuerung der Geschäfte von einem Tradingdesk ist noch keine hinreichende Bedingung für die Zuschreibung zum Handelsbuch.

Darüber hinaus wurde der interne Risikotransfer (IRT) flexibler gestaltet. Das externe Hedging sowohl von Kredit- als auch vom Aktienrisiko kann durch mehrere externen Transaktionen und mit mehreren Kontrahenten erfolgen, solange die Aggregation im gesamten IRT dargestellt wird. Bei der Berücksichtigung von FX-Positionen - die für die Kapitalanforderungen ausgeschlossen bleiben dürfen - gilt nun eine sinnvolle sensitive Grenze.

Neue Fassung des Standardmodells

Eine weitere Änderung des Rahmenwerks betrifft die neu angepassten Sensitivitäten im Standardansatz, durch die der BCBS die Kapitalbelastung zu reduzieren versucht. Diese Minderung wird durch die Möglichkeit, die Basiswährung für bestimmten FX Positionen zu nutzen, erreicht. Des Weiteren wurde die Skalierung im Niedrigkorrelationsszenario reduziert. Das hat zur Folge, dass Institute für hochkorrelierte Risikofaktoren weniger belastet werden (beispielsweise im Zinsbereich). Methodisch werden die Instrumente nicht mehr per Risikofaktoren, sondern per Buckets aggregiert, so dass größere Sprünge in der Kurvatur-Risikoanforderung vermieden werden. Die Problematik der Doppelzählung im Bereich FX wird durch die Einführung des Faktors 1,5, durch den die Kurvatur-Risikokapitalanforderung für FX-Instrumente dividiert wird, angegangen. Darüber hinaus werden Instrumente ohne Optionalität in die Kurvatur-Risikoberechnung miteinbezogen. Durch diese Änderung wird der Ansatz auf alle sensitivitätsfähigen Instrumente erweitert und die Bewertung muss konsistent kalkuliert werden. Im Vergleich zu den in 2016 veröffentlichten BCBS Standards wurden die Risikogewichte für das Zinsänderungsrisiko um 30 %, sowie das FX um 50% reduziert. Darüber hinaus sind auch die Risikogewichte für Pfandbriefe und hochverzinsliche Staatsanleihen reduziert worden.

Überarbeitung des vereinfachten Standardansatzes

Mit dem vereinfachten Standardansatz wird die Belastung für Institute mit einem kleinen und einfachen Handelsbuch minimiert. Die Erhöhung des Marktrisikokapitals wird durch die neu festgelegten vier Skalierungsfaktoren (Zinsrisiko, Aktienrisiko, Rohwarenrisiko und FX-Risiko) berechnet. Das bedeutet jedoch, dass sich die Anforderungen durch den kleineren FX-Faktor im Vergleich zum jetzigen Stand um 20% erhöhen werden. 

Überarbeitung des IMAs

Die Anwendbarkeit eines IMAs bleibt nach wie vor abhängig von der Zulassung einzelner Tradingdesks und richtet sich nach drei Kriterien:

  • dem erwarteten Shortfall für modellierbare Risikofaktoren
  • dem erwarteten Shortfall unter Stressbedingungen für nicht modellierbare Risikofaktoren (NMRF)
  • und der Ausfallrisikobelastung.

Ein „Profit and Loss Attribution (PLA)“-Test wird per Tradingdesk als Validierung des Modells durchgeführt und im Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Zudem wird die Zulassung von der organisatorischen Infrastruktur und dem Risikomanagement abhängen. Der finale Standard wird die folgenden zwei Tests akzeptieren: die Spearman Korrelation für die Hypothetical P&L (HPL) und die Risk-Theoretical P&L (RTPL) and den Kolmogorov-Smirnov Test für die RTPL und HPL Verteilung.  Der auf den Referenzdaten der letzten 12 Monate basierende Test muss quartalsweise durchgeführt werden. Darüber hinaus wurde die entweder/oder Klassifizierung der Metriken durch ein Ampelprinzip ersetzt. Das führt dazu, dass alle Tests welche als „rot“ klassifiziert worden sind mit dem Standardansatz berechnet werden. Sind die Ergebnisse der Tests „grün“, so darf der IMA verwendet werden. Der neu eingeführte gelbe Bereich erlaubt die Anwendung einer einfachen Formel für die Berechnung eines Kapitalaufschlages und vermeidet damit sprunghafte Kapitalerhöhung zwischen dem grünen und roten Bereich. Der Aufschlag berechnet sich aus der durchschnittlichen Differenz zwischen dem IMA und der Anforderung aus dem Standardansatz. Der PLA Test tritt zum 1. Januar 2022 in Kraft, wohingegen die Ampel-Metrik erst ein Jahr später aktiv wird.

Eine weitere Änderung betrifft den Risk Factor Eligibility Test (RFET), insbesondere in Bezug auf die Preisbeobachtungskriterien. Gemäß dem Standard werden pro Jahr midnestens 24 Preisbeobachtungen vorgeschrieben, darüber hinaus werden zusätzlich mindestens vier Preisbeobachtungen innerhalb von 90 Tagen vorausgesetzt. Alternativ zu diesen Anforderungen werden 100 echte Preisbeobachtungen pro Jahr verlangt. Der „Bucketing-Approach“ wurde dort wo die Risikofaktoren ein Punkt einer Kurve oder eine Fläche bilden präzisiert. Banken können entweder auf einen regulatorisch vorgegebenen Bucket-Satz zurückgreifen oder eigene Buckets definieren. Um nicht zu den NMRF zugeordnet zu werden, müssen Risikofaktoren den Test bestehen und sieben zusätzliche qualitative Kriterien für Modellierbarkeit erfüllen. Insbesondere müssen hierbei die Nachweispflicht sowie die Risikofaktoren in der RTPL berücksichtigt werden.

Alles im allem wird der FRTB voraussichtlich zu erhöhten Kapitalanforderungen führen, wobei durch die an vielen Stellen vorgenommenen Änderungen von 2019 eine Glättung der Auswirkungen im Vergleich zu den ursprünglichen Standards von 2016 erzielt worden ist.

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